Neue Reiseformate im Business Travel: Wie Unternehmen jetzt konkret reagieren sollten
Blogbeitrag von Markus Orth
Markus Orth
Geschäftsreisen stehen heute an einem entscheidenden Wendepunkt. Unternehmen dürfen sie nicht länger nur als organisatorische Aufgabe betrachten, sondern müssen sie als strategische Fragestellung verstehen, bei der Nähe, Effizienz und Mitarbeiterorientierung sinnvoll zusammengeführt werden.
Diese Veränderung wirkt sich direkt auf den Reisealltag aus und wirft für Verantwortliche im Travel Management konkrete Fragen auf: Wie planen wir Reisen heute anders als noch vor einigen Jahren? Und welche Handlungsoptionen haben wir, um Kosten, Nachhaltigkeit und Mitarbeiterbedürfnisse unter einen Hut zu bringen?
Im Alltag zeigt sich das zum Beispiel darin: Zero-Day-Trips am Morgen, regionale Mikro-Meetings am Nachmittag, hybride Messe- oder Kongressformate am nächsten Tag. Gleichzeitig besteht zunehmender Druck, Reisekosten im Blick zu behalten, nachhaltiger zu handeln und die Bedürfnisse unserer Mitarbeitenden ernst zu nehmen. Neue Reiseformate sind dabei kein „Trend-Thema“, sondern ein praxisnahes Werkzeug, mit dem wir diese Spannung gezielt ausgleichen können.
Zero-Day-Trips: Wann sich Tagesreisen wirklich lohnen
Zero-Day-Trips, also Geschäftsreisen ohne Übernachtung, bieten sich dort an, wo der Reiseaufwand niedrig, der Termin aber klar definiert ist.
Sie bieten sich an, wenn:
- einzelne, hochwertige Gespräche oder Verhandlungen im Fokus stehen
- Regionen mit guter Bahn- oder Flugverbindung die Anreise erleichtern
- Termine mit klarer Agenda und messbarem Ziel stattfinden
Damit Tagesreisen nicht zur Belastung im Alltag werden, achten wir auf: realistische Zeitplanung inklusive Puffer (bei An- und Rückreise und ungeplanten Überraschungen im Reiseverlauf/Rückfahrt)
- Belastung der Mitarbeitenden (frühe Abreise, lange Tage, wenig Rückzugsmöglichkeit)
- klare Reiserichtlinien für Tagesreisen, z. B. zu maximal zulässigen Reisezeiten
Effizienz ist wichtig, aber sie sollte nicht auf Kosten der Regeneration und der persönlichen Leistungsfähigkeit gehen.
Mikro-Meetings & hyperlokale Reisen: Weniger Strecke, mehr Wirkung
Große, international besetzte Meetings mit langen Anreisen werden zunehmend durch kleinere, regionale Formate ersetzt. Das hat klare Vorteile:
- geringere Reise- und Hotelkosten
- Geringerer ökologischer Fußabdruck pro Reisenden
- flexiblere, schnellere Organisation
Dieser Trend folgt einem zentralen Prinzip: Geschäftsreisen werden nicht danach bewertet, wie oft sie stattfinden, sondern ob sie wirklich etwas bewegen. Konkret bedeutet das:
- regionale Hubs als Treffpunkte nutzen, statt jedes Mal in ein anderes Land zu reisen
- mehrere Themen in einem Tag/Mikro-Meeting bündeln, statt für jeden einzelnen Termin lange Anreisen in Kauf zu nehmen
- Digitale Tools (z. B. kurze Online-Besprechungen, Mail-Nachbereitung, ein gemeinsames Dokument) als Vorbereitung und Nachbereitung einsetzen und nicht als Ersatz für das eigentliche persönliche oder hybride Meeting selbst nutzen
So entstehen Meetings, die weniger stressig, dafür aber inhaltlich fokussierter sind.
Messe- und Kongressreisen: Hybride Formate als neue Normalität
Persönliche Treffen gewinnen wieder an Bedeutung, aber hybride Formate bleiben fest etabliert. Heute setzt man auf einen gemischten Ansatz: Ein Teil des Teams ist vor Ort, ein anderer Teil digital, damit die Veranstaltung gleichzeitig Reichweite und Nähe schafft.
Damit jede Messe- oder Kongressreise effizient genutzt werden kann, braucht es klare Regeln:
- Vor-Ort-Teilnahme gezielt auswählen: Wer braucht wirklich Präsenz, und wer kann digital sinnvoll mitgenommen werden?
- Hybride Optionen sinnvoll einsetzen: Für Workshops und intensivere Gespräche eher wenig Teilnehmende vor Ort nutzen, für Keynotes oder Vorträge stärker auf digitale Teilnahme setzen – und das jeweils gezielt planen
- Klare Ziele für jede Reise definieren, z. B. „Networking mit Zielgruppe X“, „Y Leads“ oder „Fachwissen für Team Z“
So werden Reisen nicht zum „Pflichtprogramm“, sondern zu messbaren Marketing- und Vertriebsaktivitäten.
Mitarbeiterorientierung: Der entscheidende Hebel
Geschäftsreisen gehen heute über reine Pflichttermine raus. Für viele Mitarbeitende sind sie Teil der Arbeitswelt, der persönlichen Weiterentwicklung und auch der Work-Life-Balance. Viele reisen bereits mit einem gewissen Freizeitanteil, ohne dass das formal geregelt ist.
Inzwischen beobachten wir:
- Der Großteil der Geschäftsreisen enthält bereits Freizeitanteil
- Bleisure-Reisen(Business + Leisure) wachsen weiter, Unternehmen können hier mit klaren, fairen Rahmenbedingungen punkten:
– flexible Reiserichtlinien gestalten, z. B. für Verlängerung von Dienstreisen durch private Tage
– individuelle Bedürfnisse berücksichtigen (Familie, Partnerschaft, Hobbys)
– klare Regeln für Kostentrennung definieren: Dienstreise, Reisekosten, zusätzliche private Aufenthalte
Wird deutlich vermittelt, dass Reisen nicht ausschließlich arbeitsgetrieben sind, sondern auch Entwicklung und Wertschätzung ermöglichen, steigen Motivation und Arbeitgeberattraktivität
Fazit: Geschäftsreisen werden strategischer
Es geht mittlerweile nicht mehr primär darum, wie wir Reisen organisieren sollen, sondern darum, welche Reise wirklich Mehrwert bringt – für das Unternehmen, für das Budget und für die Personen, die reisen.
Für das Travel Management ergibt sich daraus die Aufgabe, unterschiedliche Reiseformate gezielt und sinnvoll zu kombinieren.
Das heißt:
- effizientere Budgets durch gezielte Reiseauswahl
- höhere Zufriedenheit der Mitarbeitenden durch Flexibilität und Entlastung
- nachhaltigere Reiseprogramme durch weniger Reisen, aber größere Wirkung
Die Initiative Chefsache Business Travel versteht Geschäftsreisen als strategische Aufgabe, nicht als reine Logistik.
Entdecken Sie die Services der Travel Management Companies
Von Nachhaltigkeit bis Digitalisierung...